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15.06.10

Russen sind zur Modernisierung bereit

Die Russen sind zu einer Modernisierung bereit, schreibt die russische Zeitung „Iswestija" am 10. Juni 2010. Auszüge:

Unter den Russen sind 23 Prozent bereit, den Weg der Modernisierung Russlands mitzugehen. So lautet das Ergebnis einer Umfrage, das das russische Institut für Soziologie gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung am Dienstag präsentierte. Die Soziologen haben erstmals versucht, zu verstehen, ob das oktroyierte Modernisierungsmodell der Mentalität der Gesellschaft und deren Interessen entspricht.

Michail Gorschkow, Direktor des Instituts für Soziologie, berichtete, dass die Studie unter dem Titel „Ist die russische Gesellschaft bereit zur Modernisierung?" im März und April durchgeführt worden war. Die Umfrage umfasste 1750 Personen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Es stellte sich heraus, dass die Modernisierung in den Augen der Bürger vor allem eine soziale Wandlung der Gesellschaft darstelle, nämlich „Gleichheit vor dem Gesetz", „harter Kampf gegen die Korruption", „soziale Gerechtigkeit". Nur jeder vierte sprach von der „Bildung einer effizienten Innovationswirtschaft" als grundlegende Idee der Modernisierung.

 „Die Bevölkerung schreit buchstäblich: ‚Gebt uns Regeln, nach denen wir leben können'", sagt Natalja Tichonowa, stellvertretende Direktorin des Instituts für Soziologie. „Wir sind an einen Punkt gelangt, an dem viele bereits wissen, dass sie nicht einfach Schrauben des Systems sind, dass sie etwas sind und eigene Interessen haben. Doch dabei sehen die Menschen, dass es keine normale Form für den Schutz ihrer Interessen gibt".

Die Studie zeigte, dass es in Russland 23 Prozent Modernisten gibt. Der am besten ausgebildete Teil der Städter und Internetnutzer glauben nur an sich selbst und wissen die Freiheit zu schätzen. 15 Prozent sind Traditionalisten: Die Unterschicht, größtenteils Arbeiter und Rentner, ist sich sicher, dass es schwer ist, ohne staatliche Hilfe zu überleben. Erstere begrüßen Veränderungen im Gegensatz zu Letzteren. Die restlichen 62 Prozent der Bürger sind laut den Verfassern der Studie unentschieden.

Mehr als die Hälfte der Russen (55 Prozent) sind der Ansicht, dass die Beamten den Fortschritt des Landes am meisten behindern. Ein Drittel gab die Schuld an der fehlenden Entwicklung der Polizei. Grund dafür ist der Studie zufolge die Korruption. Die Soziologen haben die „Angeklagten" selbst befragt und herausgestellt, dass die Bestechungen nicht nur in den Verwaltungs- und Rechtsschutzgremien tief verwurzelt sind. Die Mitarbeiter dieser Gremien fassen die Korruption nicht mehr als etwas Ungewöhnliches auf.
 

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